Kurzbeschreibung der 6 Teilprojekte

Neue Biersorten mit regionalem Bezug aus alten Getreidearten und –sorten

Die Vielfalt der Nutzpflanzen in der Landwirtschaft hat im vergangenen Jahrhundert stark abgenommen.
Die sinkende Zahl der Produzenten hat sich als Folge der technischen Anforderungen an den Rohstoff für die Mälzerei und Brauerei zunehmend auf ein geringes Sortenspektrum, vorwiegend “Hanna-Gersten” ( Hordeum vulgare nutans) konzentriert. Heutzutage werden nur noch wenig unterschiedliche Braugerstensorten angebaut. Der Verbraucher jedoch ist am Angebot von Produkten mit individuellen, regionaltypischen Merkmalen interessiert, wie der heutige Erfolg von Brauerein mit Spezialbieren zeigt. Ausserdem bietet der Anbau beim derzeitigen Preisniveau von Getreide dem Landwirt eine interessante Alternative
Das GEVIP-Projekt setzt hier an, indem alte regionale Gerstensorten wieder angebaut und an moderne Brautechniken gekoppelt werden.
Der Anbau von Braugerste in unseren Regionen entspricht auch auch strenge Umweltauflagen. Insbesondere gilt das in Gebieten mit reduzierter Stickstoffdüngung, wie sie in Wasserschutz-Gebieten gefordert und im Braugerstenanbau notwendig ist. Damit entsteht durch das Projekt eine Alternative in Form von düngungsextensiven Anbauverfahren bei der Gerste.
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Alte Gemüsearten und -sorten mit historischem und regionalem Bezug

Der Verbraucher verlangt beim Gärtner immer kostenreduziertere Produkte. Deshalb werden weltweit von den Produzenten die gleichen Pflanzensorten eingesetzt. Hohe Produktivität und eine einheitliche Technik stehen dabei im Vordergrund. Die Größe der Produktionseinheiten und der Zugang zum Markt bestimmen über die Existenz der Gartenbaubetriebe. Unter diesem Zwang können nur wenig regionale Gemüsesorten angeboten werden. Nicht  nur ökologisch orientierte Gärtner stellen sich dem Risiko und suchen nach Alternativen.
Zu oft fehlen die Erfahrungen mit den Sorten oder ihrer Verarbeitung. Doch gerade die Gastronomie und der Feinkosthandel suchen gezielt nach Produkten mit individuellen Merkmalen. Im Ergebnis wird mit der Unterscheidung zur Konkurrenz um den Verbraucher geworben. Viele alte Sorten können genau durch den regionalen Bezug diesen Anspruch bedienen.
Das Ziel des Projektes ist es, aus alten Sorten der Region neue Gemüseprodukte zu entwickeln. Sie sollen einerseits den Gärtnern und Landwirten eine Alternative zu bisherigen Gemüsesorten liefern, andererseits Konsumenten, Touristen und Gastronomiebesuchern regionale Besonderheiten bieten.
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Alte Zierpflanzensorten für historische Gartenanlagen (Burgen, Schlösser, Herrensitze) und private Gärten

Bei diesem Teilprojekt sollen Zierpflanzen für historische Gartenanlagen aufgefunden und bereitgestellt werden.
In Gärten und Landgütern des 17. bis 19. Jahrhunderts hatte die Gartenkultur einen hohen Stellenwert. Was aber wurde aus den Zierpflanzen, die von der barocken Aristokratie in den Gartenanlagen wegen ihrer Ästhetik geschätzt wurden? Neben dem kulturellen Bezug ist heute die große genetische Vielfalt dieser Züchtungen für uns von Bedeutung. Der traditionelle Platz und die Hochachtung, die diesen Pflanzen von historischen Persönlichkeiten entgegengebracht wurde, ist für künftige Verbraucher ein Kaufargument.
Die Erhaltung der architektonischen Bausteine dieser Gärten findet seine Gewichtung auch in der Denkmalpflege. Allerdings ist es nur begrenzt möglich, die historische Bepflanzung in die Gärten zu übernehmen. Zahlreiche dieser Pflanzen sind aus den Gärten verschwunden und wurden von modernen Entwicklungen verdrängt. Von vielen dieser Sorten gibt es heute nur noch Restbestände. Die Vermehrung aus diesen kleinen Beständen ist ein langwieriger Prozess. Sie führt aber dazu, dass die Elemente der historischen Gartenarchitektur wieder aufblühen.
Alte Gartenanlagen können mit der Erhaltung und Vermehrung dieser Sorten ihre touristischen Reize zeigen. Gerade die historischen Gärten sind touristische Zentren mit konstanten Besucherzahlen. Neben der Wiederherstellung der gartenarchitektonischen Einheit entsteht eine attraktive Werbefläche, die Verbraucher anlockt. So können zudem noch neue Märkte für alten Pflanzenarten erschlossen werden.

Klicken Sie hier für mehr Details und eine Liste der angepflanzten Sorten und dem jeweiligen Standort (PDF).

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Entwicklung neuer Produkte aus alten Obstsorten

Für die meisten Endverbraucher ist die Qualität eines Produktes das “A“ und “O“.
Mehrere Landwirte möchten in Zusammenarbeit mit den Projektpartnern Stimuland, der Landwirtschaftskammer Münster und Betrieben aus der Region neue Produkte auf der Basis von verarbeitetem Obst entwickeln (z. B. Obstler, Cidre). Die Landwirtschaft ist daher auf der Suche nach neuen Früchten für diese neuen Produkte. Durch die regionale Bindung des GEVIP-Projekts erkennt der Verbraucher schnell und sicher, woher das Produkt stammt. Auch die Qualitätsfrage wird damit beantwortet.
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Glutenfreie Produkte für neue Nahrungsmittel, insbesondere für Personen mit Glutenallergie

Zunehmend rücken Stoffwechselkrankheiten in den Blickpunkt der Öffentlichkeit und der Produzenten diätetischer Lebensmittel. Bei allergischen Reaktionen auf Milchprodukte wird der Ersatz von glutenhaltigen Produkten immer wichtiger. Bei der Züchtung von Weizen war im vergangenen Jahrhundert der Gehalt an Klebereiweißen (Gluten) ein wesentliches Auslesemerkmal. In den Produkten der Nahrungsmittelindustrie ist Weizen als Hauptbestandteil oder als Zugabe kaum noch wegzudenken. Viele Allergiker müssen jedoch auf Gluten verzichten. Deshalb müssen im Weizenanbau andere Wege beschritten werden.
Auch in unserer Region gibt es langjährige Erfahrungen mit glutenfreiem Getreide. Der Anbau von Hirse und Buchweizen als Grundlage von energiereichem Backwerk reicht bis in die Zeit vor 150 Jahren zurück. Der Allergiker kann jedoch heutzutage durch die neuere Nutzung alter südamerikanischer Kulturpflanzen wie Amaranth und Quinoa hoffen.
Im Projekt soll die Umsetzung von Anbau und Nutzung von glutenfreien Getreideprodukten vor dem Hintergrund der speziellen Bedürfnisse des Endverbrauchers und der Möglichkeiten der Verarbeiter und Landwirte getestet werden. Der Versuch gilt der Entwicklung neuer glutenfreier Produkte.
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Qualitätsfleisch aus artgerechter Haltung unter Einbeziehung heimischer Futtermittel und alter Regionalrassen

Projektziel in diesem Teilbereich ist die Vermarktung von Qualitätsfleisch alter regionaler Rassen, die mit heimischen Futtermitteln in artgerechter Haltung aufgezogen werden.
Das vielfach formulierte Ziel einer Steigerung des Marktanteils ist vor allem in der niederländischen Teilregion bisher nicht erreicht worden. Die Qualität und der Geschmack der Fleischprodukte können erhöht werden, indem auf heimische Futtermitteln zurückgegriffen wird.
Den negativen Folgen der Nahrungsmittelskandale kann durch vertrauensbildende Maßnahmen entgegengewirkt werden. Gerade die heimischen Futtermittel könnten hierbei eine große Rolle spielen. Da der Weg vom Stall zum Verbraucher kürzer ist, muss der Preis der regional erzeugten Produkte nicht höher sein, als der der herkömmlichen Produkte. Das zeigen bereits Beispiele aus dem niederländischen Euregio-Gebiet.
Diese kurzen Vermarktungswege bestehen aus regionalen Kontakten zwischen Landwirten, Metzgern, Restaurants und Kantinen sowie den Verbrauchern, die aufgebaut werden müssen.

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